Irgendwann möchte ich gerne kein Kind mehr sein, sondern frei ohne die Altvorderen leben. Sicher ist vielen dieser Gedanke fremd und schwer nachvollziehbar. Und bestimmt lässt sich hier auch nichts verallgemeinern, sondern spielt das Verhältnis zu den eignen Eltern eine entscheidende Rolle. Trotzdem spreche ich es hier aus: ich würde gerne mal eine Weile im Leben nicht mehr so viel Rücksicht nehmen müssen, mich nicht mehr so viel kümmern und um andere sorgen müssen, mal nur die eigenen Getränkekisten, Gartenmöbel und Einkäufe schleppen müssen. Ist das egoistisch? Natürlich. Aber dieser Egoismus entsteht auch aus einer Überforderung. Viele von uns Babyboomern müssen noch lange die eigenen Kinder unterstützen und noch länger die eigenen Eltern. Zwei Generationen gleichzeitig in Rente – das ist eine Perspektive, mit der viele von uns konfrontiert werden dürften.

Besonders fiel dies in der letzten Weihnachtszeit auf. Bei vielen Freunden beherrschten nicht das gastgebende Paar und deren Nachwuchs das Bild, sondern die Großeltern, denen man keine Veränderung zumuten mag. Dabei handelt es sich allerdings weniger um die zahnlosen, silberhaarigen Senioren, die in den historischen Zeichnungen milde und zufrieden in die Runde blicken, sondern um Familienvorstände, die nichts Greisenhaftes an sich haben und von der Vorsuppe über die Musikauswahl bis zum Ablauf der Bescherung kräftig mitmischen.

Wie verändert es unser Leben, wenn die Ausnahme eher zu Regel wird? Also, wenn wir mit 65 selbst noch Kinder sind und unsere Eltern als immergrüne Johannes Heesters hohe Ansprüche an das Leben haben, die wir ihnen erfüllen sollen?

Sprecht Ihr offen mit euren Eltern darüber? Oder ist es wie bei uns, wo niemand sich traut, die Erwartungen von Oma oder Opa zurückzuweisen und die festgelegten Rollen zu verändern?